Eine leerstehende oder baufällige leider auch.
Die Umnutzung von Kirchen ist oft notwendig, weil deren Unterhalt nicht mehr finanzierbar ist. Dann sind neue Kultur- und Begegnungsangebote oft Teil oder sogar Schwerpunkt des Wandels.
Die Träger bleiben nach einer Neu-Ausrichtung oft Eigentümer der Kirche – oder sie gehen als Betreiber oder Vermieter eine Kooperation mit der Kommune oder anderen Kulturschaffenden ein.
Auch Kulturkirchen stehen manchmal vor der Aufgabe ihr Programm neu ausrichten zu müssen.
Beim Wechsel zu einem neuen Eigentümer vergeht zwischen Planung, Finanzierung und Umsetzung viel Zeit, die mit einer Zwischennutzung überbrückt werden kann.
In diesem Szenario des Wandels habe ich einige Jahre in verantwortlicher Position gearbeitet. Ich will die hier gewonnenen Erfahrungen weitergeben und biete Beratung an, wann immer es um die Konzeption von Kultur- und Begegnungsangeboten geht.
Bei einer geplanten Umnutzung geht es zunächst um eine mögliche Finanzierung, oft auch um das Entwerfen und Bauen, sowie die Einbindung von Behörden und Ämtern.
Soll das Ziel dieser Maßnahmen aber ein verbindliches Kulturangebot sein, mit dem man sich identifizieren und das man konsequent etablieren will, so sollte dessen Konzeption parallel mitbedacht werden.
Welcher Ort soll aus dem Wandel entstehen?
[Kulturkirche, Gedenkstätte, Begegnungsstätte, Galerie, Bildungseinrichtung, Veranstaltungslocation, Gastronomie, Gewerbe]
Was ist der Fokus für die Öffentlichkeitsarbeit? / Ein Ort für alle oder spezielle Zielgruppen? Soll der sakrale Charakter des Ortes gestärkt oder marginalisiert werden?
Welche Formate passen zum Projekt?
[Partizipative Formate zu Bildung, Gestaltung, Aktion, Motivation etc. / Künstler und Vortragende aus Theater, Performance, Kabarett, Poetry, Lesung, Ausstellung etc]
Formate brauchen oft räumliche und technische Rahmenbedingungen. Sie können mobil oder stationär eingesetzt werden.
Wer bewirbt das Programm? Wer setzt es um?
Aufgaben als Gastgeber:
Teilnahme-/Eintrittsgebühren, Aufsicht und Personal, Bewirtung, Sicherheit, Aufenthaltsqualität
Öffentlichkeitsarbeit:
In Eigenleistung oder über Agentur
Umsetzung:
In Eigenleistung oder über Vermietung
Die Kirche im Stadtbild ist ein Statement.
Eine leerstehende oder baufällige Kirche leider auch.
Deshalb wäre es fahrlässig einen Umbau oder gar Abriss dieser Kirchen als reines Immobilienprojekt zu sehen.
Denn Kirchen waren immer auch Rückzugs- und Begegnungsräume mit einer sozialen Funktion für das Nahfeld und die Nachbarschaft.
Kirchen in diesem Sinne zu erhalten ist schon deshalb wichtig, weil ein gesellschaftliches Miteinander das Rückrat der Stadtgesellschaft bildet und hier -für die meisten schnell erreichbar- stattfinden kann.
Eine kulturelle Öffnung und Erneuerung, die ganz bewusst auf den sakralen Kirchenraum abgestimmt ist, hat ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber rein kommerziellen Projekten, ist aber schwieriger zu finanzieren.
Seit Jahrhunderten adelt die “Königin der Instrumente” den Kirchenraum. Bei vielen Umnutzungs-Projekten muss geklärt werden, wie es weitergehen soll mit der prächtigen, womöglich aber schon verstaubten Pfeifenorgel.
In manchen kommerziellen Projekten darf sie bleiben – als dekoratives Zitat einer vergangenen Kirchengeschichte.
Mit den Kirchen verschwinden die Orgeln….
Bei anderen Projekten ist selbst dies nicht möglich, weil man Platz für das neue Projekt braucht. Dann hilft nur noch der Anruf beim einem Gebrauchtorgel-Händler, der auch für die Demontage und den Transport sorgt. (Siehe Links ganz unten)
Die Orgel als Statement für Kontinuität.
Ist hingegen eine Umwandlung geplant, die an die Herkunft und Geschichte des Kirchenraums anknüpfen soll, dann sollte das Kulturprogramm keinen Bogen um die Orgel machen, sondern sie konkret einbinden. Muss sie saniert und spielfertig gemacht werden, dann entstehen Kosten. Oft aber weniger als man denkt. Hier muss man gut recherchieren.
Eine Orgel als Zugpferd für einen Wandel im Kirchenraum.
Eine Orgel kann so vielseitig gespielt werden, wie es die Menschen sind, die am Spieltisch sitzen.
Hier kann jedes Klischee gesprengt werden, denn die Orgel verträgt nicht nur werkgetreu gespielte Kirchenmusik & Klassik, sondern auch Minimalismus, epische Filmmusik, Jazz und Pop.
Organisten schaffen mit der Einbindung von Syntesizern und Effekten völlig andere Klangwelten im Kirchenraum, und Komponisten reizen in freier Improvisation die Dynamik der Orgel mit Clustern und Klangflächen aus.
Der Komponist für Film und Theater Jan Arlt (hier vor der Orgel in der Rheinkirche) hat sich an eine Live-Stummfilm-Vertonung von Friedrich Murnau’s FAUST gewagt, in die auch die drei Glocken der Kirche eingebunden wurden.
Großes Kino!
Es gibt viele Menschen, die grundsätzlich einen Bogen um Kirchen machen, weil sie bei ihnen Beklemmungen auslösen. Sie sehen die Kiche als Hort strenger Zeremonien, die längst nicht mehr in ihr Weltbild passen. Weil sie deshalb schon länger nicht mehr in einer Kirche waren, verpassen sie freilich die Möglichkeit ihr Weltbild zu aktualisieren.
Viele dieser Menschen wären einverstanden, wenn man aus Kirchenräumen etwas ganz anderes machte,- zum Beispiel eine Eventlocation oder einen Klettergarten. Man kann das einen Trend nennen.
Fragen Sie den Zukunftsforscher:
Zu jedem Trend gibt es einen Gegentrend.
Den Gegentrend gibt es schon länger. Er macht im Augenblick noch nicht so viel Reden von sich, ist aber im Aufwind.
Ihm folgen Menschen, die diese letzten, nicht-kommerziellen Rückzugsorte nicht missen wollen. Zu ihnen gehören nicht nur alte, sondern zunehmend auch junge Leute: Sie sind erschöpft von der 24/7 – Online-Kommunikation in allen Lebensbereichen und schauen kritisch auf die Ausgliederung auch psychosozialer Bedürfnisse an Apps, Chatbots und die KI.
Sie haben erlebt, wie wohltuend es kann, einen spirituellen Ort in der Nachbarschaft aufzusuchen, der einen heilsamen Kontrast zum wilden Hamsterrad da draußen bietet. Manchmal kommen sie allein, verlassen den Raum aber mit anderen, die sie dort getroffen oder kennengelernt haben.
Die diesjährige MANIFESTA (2026) bespielt mehr als 10 leerstehende oder profanierte Kirchen im Ruhrgebiet mit Tanz, Performance und Ausstellungen.
Zur Manifesta
Die Aktion schafft Publicity und holt das Problem des Leerstands ins Licht.
Leider geht die Manifesta mit ihrem Motto “This is not a church” und ihrem Pop-Up-Kulturangebot nicht darauf ein, dass auch eine entweihte Kirche ohne Gottesdienst nachwievor eine Kirche ist – mit einer außergewöhnlichen Architektur, deren Identität man kulturell nutzen kann, statt sie nur als skurriles und dekoratives Überbleibsel zu sehen.
Auch ohne den Fokus auf Freizeitangebote und Entertainment zu legen hat der Kirchenraum meiner Meinung nach eine Zukunft. Auch und gerade dann, wenn sich das dortige Kultur- und Begegnungsprogrammm mutig als ein eigenständiges zeigt, das den Bezug zur sakralen und spirituellen Herkunft des Ortes nicht leugnet und dabei weder muffig noch langweilig ist.
Vita:
Ich war bis auf die ersten beruflichen Gehversuche als Freiberufler tätig. In der längsten und agilsten Phase meines Berufslebens war ich Konzeptioner von sogenannten Corporate Events. Zusammen mit einem Team für Bühnentechnik, Bühnenbild und Medien hatten wir eine spannende Zeit.
Aber erst am Schluss – ich bin jetzt 70 Jahre alt- durfte ich ein Konzept für die Zwischennutzung der leerstehenden Rheinkirche erstellen – ein Projekt, dessen Sinnhaftigkeit alles zuvor erlebte in den Schatten stellte.
Ich war nun im Projektteam von Andreas Knapp und den Architekten von KüssdenFrosch aus Düsseldorf, die in Duisburg-Homberg ein Kolumbarium planten.
Hier, im denkmalgeschützten Baubestand, sollte ein freier und zeitgemäßer „Indoor-Urnenfriedhof“ entstehen, inklusive der Möglichkeit hier individuell Abschied von den Verstorbenen zu nehmen. Zugleich sollte das Kolumbarium zu einem Ort der Begegnung werden – mit einem anspruchsvollen und breit gefächerten Angebot, dessen Kuratierung zum Friedhof, zum Kirchenraum und den Verstorbenen, wie auch zur neuen und einmaligen Friedhofsarchitektur passen sollte.
Während der Konzeptphase war ich dort 2018-2022 zunächst freiberuflich tätig.
Die Leitung des Kolumbariums als Geschäftsführer begann im April 2022 mit dessen Eröffnung und dauerte bis Ende 2025. Danach bis Mai 2026 in Teilzeit.
Zu Küssdenfrosch und den Architekten
Näheres zum architektonischen Projektbericht erfahren Sie hier:
Zum Projektbericht Baukultur NRW (öffnet neue Seite)
Beratung:
Der Wandel eines Kirchenraums in ein Kolumbarium ist sicherlich ein Sonderfall. Da der Kirchenraum mit seinem hier geplanten Friedhof aber nicht nur Abschiedsfeiern ermöglichen, sondern zu einem Begnungsort werden sollte, fand die Konzeption dieses Projekts im Rahmen einer Zwischennutzung statt.
Es saßen also Architekten und Innenarchitekten (und später die Gewerke) mit mir zusammen, um den Platz für Besucher, die Bedarfe bei Bühne, Licht, Medien u.a.m. zu bestimmen und parallel den Denkmalschutz zu berücksichtigen.
Nach der Eröffnung des Kolumbariums habe ich als Geschäftsführer permanent die Öffentlichkeitsarbeit und das Veranstaltungsprogramm aufeinander abgestimmt:
Beide sollten sich nicht nur an Trauernde und Hinterbliebene, sondern auch an neue Zielgruppen wenden.
Insofern ist diese Erfahrung eine mustergültige Referenz für meine Beratung.
Wie kann ich helfen?
Stefan Schuster
Kulturprojekte im Kirchenraum
schuster@kulturprojekte-kirchenraum.de
0171-3293712
EMPFEHLUNGEN
MIETKLAVIER:
GEBRAUCHTORGEL (EINKAUF/VERKAUF/DEMONTAGE):
VERANSTALTUNGSTECHNIK NRW
(Kauf > stationär / Vermietung temporär)
gute Referenzen in Kirchenbau, Museum, Theater / Beratung und Montage
KONTAKT – IMPRESSUM – DATENSCHUTZ
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